"Verrückt, Bekloppt, Besessen": Was Teil einer Geburtstags-Choreo der Essener Fan-Gruppierung Red Mambas als Spruchband zu Spielbeginn am Zaun hing, könnte auf alle RWE Fans zutreffen. Wieder einmal bescheren die rot-weissen Anhänger ihrem Klub zu Saisonbeginn viel Zuspruch. Über 4.500 Jahreskarten gingen an die hartgesottene Fangemeinde - Regionalliga-Rekord. Und auch die gestrige Zuschauerzahl beim Heimspiel gegen den Bonner SC passt längst nicht mehr in die Amateurklasse, sondern in den Profibereich.
Rot Weiss Essen arbeitet weiter am Traumstart und dem "Hoch 3" Ziel
9.507 Zuschauer (350 aus Bonn) kamen an die Hafenstraße von denen alle lieber nach dieser Saison in der dritten Liga spielen möchten als noch zwei weitere Runden durch die selbsternannte und auf Werbeplakaten definierte "Schweineliga" zu drehen. "Zusammen Hoch 3" heißt die Vorgabe des Klubs mit dem Ziel in drei Jahren Profi-Männerfußball an der Hafenstraße zu präsentieren. Dafür sollen Fans und Unternehmen wenn sie möchten, drei Jahre zu etwas höheren Konditionen (mit einen "Tacken" mehr / einer "Schüppe" drauf) sich an den Verein binden und auf ihre Weise finanziell unterstützen. Wer mitmacht muss zwischen zehn und 20 Prozent mehr für seine Jahreskarte auf den Tisch legen.
Laut Klub haben dies bisher über 50 Prozent getan und schaut man auf die bisherigen sportlichen Leistungen scheint es sich zu lohnen. Ein Auswärtssieg in Wiedenbrück und ein Heimsieg gegen den Aufsteiger Bonner SC machen den Fans Mut. Auch jenen die sich auf der "West" nun mit dem Saisonbeginn hinter dem gemeinsamen Banner "Westtribüne Rot Weiss Essen" vereinen. Nicht nur die verschiedenen Ultra-Gruppierungen auch die Fanklubs wollen mit der "Westtribüne" eine Art Dachverband schaffen, um so das "Wir-Gefühl" zu stärken. Das Bündnis soll für alle offen sein und war zum Heimspiel gegen den Bonner SC mit einer Tribünenlangen Zaunfahne sowie einem neu gebauten Vorsängerpodest für alle sicht- und hörbar.
Spannend bis zum Ende, voller Dramatik und verbalen Emotionen - irgendwie typisch Hafenstraße, so könnte man das gestrige Spiel beschreiben. Sportlich hätte es der Dramatik aber gar nicht bedurft, denn RWE hatte die Bonner von Beginn an im Griff, fing sich aber gegen den ambitionierten und starken Aufsteiger in der 28. Spielminute ein Kontertor. Großer Jubel bei den mitgereisten Fans aus Bonn und der aktiven Szene (Bande Ultras Bonn). Starke Moral bewiesen die rot-weissen in der zweiten Halbzeit, indem sie trotz mehrfachen vergeblichen Versuchen immer wieder auf das Tor der Bonner drückten. Erst ein verwandelter Elfmeter in der 64. Spielminute durch den Kapitän Benjamin Baier und 20 Minuten später der Siegtreffer durch Marcel Platzek machten aus den Sitzplätzen des Stadions Stehplätze mit euphorisierten Zuschauern.
Zwei Spiele, zwei Siege: Zuletzt startete Rot Weiss Essen vor vier Jahren (Saison 2012/2013) ähnlich gut in die Saison - damals sogar mit vier Siegen, wurde am Ende nur Vierter (hinter Lotte, Fortuna Köln beide inzwischen in der dritten Liga und Schalke II). Das ist Vergangheit, in der Gegenwart ist Euphorie an der Hafenstraße zurück und so bildeten sich vor dem gestrigen Spiel lange Schlangen an der Vorverkaufskasse für das kommende Auswärtsspiel beim Wuppertaler SV am kommenden Dienstag - Derby und Wiederholung des Niederrheinpokal-Finale im Stadion am Zoo. Wo Rot Weiss Essen in dieser Saison wirklich hin kann zeigt sich dann schon am kommenden Wochenende, denn dann gastiert Aufstiegsanwärter Viktoria Köln an der Hafenstraße.
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- Stadion an der Hafenstraße